Geldschein oder Scheingeld?

Geldschein oder Scheingeld?

Von Lars Quinnell

Da hatte ich jüngst mit meinen Kindern über den Fehler im Geldsystem gesprochen und nun stehe ich im lokalen Supermarkt an der Kasse und die Kassiererin gibt mir Wechselgeld und nennt den rausgegebenen 20er „Geldschein“…

Ich konnte es einfach nicht lassen… also habe ich – angesichts der Tatsache, dass niemand hinter mir in der Schlange stand – der Kassiererin mittleren Alters die folgende Frage gestellt:

Ist das ein Geldschein, oder ist das Scheingeld?“

Sie guckte mich an wie ein Auto, nur nicht so schnell. Ganz offensichtlich hatte sie keinen Schimmer davon, worauf ich mit dieser Frage hinaus wollte.

Nein, im Ernst. Deutsch ist ja ‘ne sehr präzise Sprache! Ist das ein Geldschein, oder scheint das nur Geld zu sein?

Ja selbstverständlich ist das ein Geldschein.“

Ok. Wenn ich jetzt Monopoly-Geld hätte und würde damit bezahlen wollen… würden Sie das akzeptieren?

Natürlich nicht.“

Aber warum denn nicht?

Das ist doch kein echtes Geld!

Aha… Wissen Sie, diese Euro-Scheine sind ja im Grunde nicht mehr als ein bunt bedrucktes Stück Papier. Da steht nicht einmal irgendwo drauf, dass man dafür auch wirklich was im Gegenzug bekommt.“

Ja, aber das ist doch unser Geld!

Nun, genau genommen ist es das nicht.“

Wieso?

Diese Papierstücke haben ein Copyright (ich zeigte ihr das ©-Zeichen…). Auf dem Ding steht nirgends drauf, dass ich dafür auch zweifelsfrei etwas als Gegenleistung bekommen MUSS.“

Aber wir bezahlen doch jeden Tag damit.“

Stimmt. Und der einzige Grund warum das funktioniert ist der, dass diejenigen die wir damit bezahlen fest daran glauben, dass sie dafür wieder etwas anderes kaufen können.“

„…“

Schauen Sie, der Unterschied zwischen Monopoly-Geld und Euro-Scheinen ist der, dass wir alle fest daran glauben die Euros würden von jemand anderem im Austausch für eine Ware auch akzeptiert. Faktisch ist es aber nicht mehr, als ein bedrucktes Stück Papier mit einem Copyright-Zeichen. Monopoly-Geld könnte den gleichen Zweck erfüllen wenn alle nur daran glauben würden, dass es irgendeinem Wert entspricht. …oder wenn unsere Regierung uns erzählen würde, das sei unser Geld.“

„…“ (Kassiererin ist sichtlich verwirrt…)

Keine Bank der Welt ist verpflichtet, Ihnen für dieses Stück Papier einen echten Gegenwert – sagen wir Silbermünzen – zu geben. Es gab mal Zeiten, da stand auf den Geldscheinen ein Gegenwert drauf, zum Beispiel in Silbermünzen. Damit war der Geldschein im wahrsten Sinne ein Schuldschein, weil die Zentralbank des Landes sich damit verpflichtete, echte Werte im Austausch gegen den Schein rauszurücken…“

„…“ (Kassiererin ist total perplex) „Hab ich noch nie drüber nachgedacht…“

Geldschein, oder Scheingeld… Ist vielleicht einen Gedanken wert…?“

Ich lächelte sie an und wünschte ihr noch einen schönen Tag.

Manchmal denke ich, ich bin wirklich ein penetranter, arroganter Sack, wenn ich mutwillig unvorbereitete Menschen mit sowas konfrontiere. Andererseits bin ich voller Hoffnung, dass ich vielleicht den einen oder anderen doch noch erreichen und zum Handeln bringen kann, bevor in der westlichen Welt alles, zumindest vorübergehend oder zeitweise, den Bach runter geht…

Der Euro-Geldschein ist schlichtweg Scheingeld – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Er erweckt den Anschein, Geld zu sein. Alle glauben daran und nur deshalb funktioniert es auch!

Dass allerdings niemand verpflichtet ist Euro-Scheine als Geld zu akzeptieren zeigt sich ganz offenkundig schon an den allermeisten Tankstellen, wo 500er und zum Teil sogar 200er einfach nicht angenommen werden. Das ist übrigens auch in einem Supermarkt bei mir um die Ecke der Fall, wie ich live an der Kasse erleben konnte, als ein älterer Herr mit 200 Euronen bezahlen wollte und er gebeten wurde, doch bitte die nächste Bank aufzusuchen und den Schein verkleinern zu lassen…

Selbstverständlich hat das auch mit der Ausbildung des beschäftigten Personals zu tun, die in Ermangelung des täglichen Umgangs mit großen oder größeren Euro-Scheinen gefahrlaufen, auf eine Blüte reinzufallen. Aber das ist doch das beste Beispiel dafür, dass wir in der Eurozone mit Spielgeld bezahlen, welches mit keinerlei wirklich verpflichtenden Werten hinterlegt ist.

Ein System in dem mit Murmeln, Perlen oder willkürlich bedruckten Papierstücken „bezahlt“ werden kann, ist für werthaltigen Waren- und Dienstleistungsverkehr von Grund auf ungeeignet.

Geldscheine sollten Schuldscheine für reale Waren einer Zentralbank sein und nicht mit einem Copyright versehen werden, was es als reines Spielgeld entlarvt und nur deswegen als Tauschmittel funktioniert, weil die breite Masse der Bevölkerung daran glaubt und zu dämlich ist deren wahren Wert zu erkennen. Nämlich: Null.

Wenn ich das nächste Mal zu obigen Supermarkt gehe, werde ich ein Blatt Papier mitnehmen auf dem steht:

Wertcoupon im Gegenwert von:

1 Liter frische Vollmilch,
10 Bio-Eiern (von freilaufenden Hühnern),
200 gr. Maasdamer Käse, geschnitten
50 Stück 2,5 gr.-Beutel schwarzer Tee,
5 Liter destilliertes Wasser
500 gr. Hackfleisch, gemischt
1 Paket Marlboro Gold XXL

Einzulösen bei L.Q.

(Unterschrift)

Ob die den wohl annehmen?

LQ