Der Crash wird kommen

Vis à vis, Mi 11.06.14 10:45 Uhr

Der Crash wird kommen

Als Reaktion auf die Finanz- und Euro-Krise haben die großen Notenbanken die Wirtschaft in den vergangenen 6 Jahren mit Milliarden und Abermilliarden an Krediten zu niedrigsten Zinsen geflutet. Dieses aufgeblähte System werde jedoch implodieren, sagen die Volkswirte Marc Friedrich und Matthias Weik – mit verheerenden Folgen für private Ersparnisse. Gerd Dehnel spricht mit ihnen über ihr Buch „Der Crash ist die Lösung“.

Lesen Sie hier eine Zusammenfassung des Gesprächs mit den beiden Autoren. In voller Länge können Sie es in oben stehendem Audio hören.

Eine Politik der Schadensmaximierung

Akut steht kein Land vor der Pleite und die Prognosen sind recht positiv, doch volkswirtschaftliche Eckdaten überschatten die Jubelmeldungen. Aus Bankschulden wurden durch die Rettung der Banken Staatsschulden und nun sind übergroße Geldmengen im System.

Große Länder hätten eine Industrieproduktion auf dem Niveau der 90er Jahr wie zum Beispiel Italien, oder stagnierten gar auf dem Status von 1978 wie Griechenland – aber gleichzeitig eine Verschuldung von 2014.

„Wir könnten natürlich eine Rieseninflation einführen, aber nicht einmal damit könnten wir die Schulden loswerden. Die Verschuldung ist seit 2008 global um fast 50 Prozent gestiegen.“

Schließlich müsse sich selbst die BRD, obwohl jahrelang Exportweltmeister und seit Jahren mit Rekordsteuereinnahmen versorgt, jedes Jahr neu verschulden. Das gelte auch für Japan und die USA.

Seit 2008 betreibe die Politik, Hand in Hand mit der Wirtschaft volkswirtschaftliche Schadensmaximierung. Von oberster Stelle werden Gesetze fortwährend gebrochen, beklagen die Autoren. „Jedem Bürger sollte auffallen, dass irgendetwas faul ist, wenn man Geld retten muss.“

Die Zeit der Renditen ist vorbei

Die Ökonomen und Banker sind sich der Gefahr bewusst, haben aber wenig Interesse, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Allerdings warnte Draghi jüngst vor einem aufgeblähten Aktienmarkt.

Was droht bei einem Crash? Besitzer von Papierwerten hätten wesentlich mehr abgeben müssen als Besitzer von Sachwerten. „Die Zeit der Renditen ist vorbei.“

„Wir zahlen ja schon direkt oder indirekt für die Krise seit 2008 – durch die Niedrigzinsphase der EZB werden wir alle schon schleichend enteignet. Die gefühlte Inflation ist weitaus höher als die offiziell berichtete. (..) Ab 100.000 Euro muss jeder mit seinem Konto haften.“

Die niedrige Inflationsrate verdient auch eine weitere Betrachtung: Der durchschnittliche Deutsche gibt das meiste Geld aus für Wohnen, Energie und Essen. In vielen Städten sind die Wohnungspreise explodiert, genauso wie die Energiepreise. Auch Essen ist nicht billiger geworden.

„Wir legen uns nicht einen Memory-Stick aufs Brot oder kaufen uns dauernd einen neuen Laptop.“

Raus aus Papierwerten, rein in Sachwerte.

„Geld gehört überall hin aber nicht aufs Konto. Die Wenigsten wissen: Das Geld auf meinem Konto, das gehört ja nicht mir, das gehört der Bank. Ich habe lediglich der Bank einen unverschämt günstigen Kredit gegeben. Im Endeffekt bin ich Gläubiger der Bank. Und wenn der Herr Schäuble sagt: Wir müssen bei der nächsten Bankenrettung alle Gläubiger mit ins Boot nehmen – damit meint er nichts anderes als die Anleihebesitzer der Banken und die Eigentümer der Banken, aber natürlich auch jeden Kunden, der ein Guthaben-Konto bei der Bank hat.“

In Zypern haben die Bankkunden 75 Prozent ihres Vermögens verloren. Kunden, die ihr Geld in einem Bankschließfach verstaut hatten, waren im Vorteil, da war das Geld noch da.

Die beiden Autoren raten: Es ist jetzt immens wichtig, keine Schulden zu machen, Anlagen breit zu streuen, ein Stück Land oder ein Stück Gold zu kaufen.

Die Vergangenheit hat geleigt: Wenn es zu einem Währungsschnitt kommt, werden Guthaben und Verbindlichkeiten immer unterschiedlich behandelt. Es müsse nun darum gehen, Vermögen zu schützen. Zu Verlusten werde es aber in jedem Fall kommen. Die, die nur 30 bis 50 Prozent ihres Wohlstandes verlieren, werden die Gewinner sein. Doch die Autoren sind vergleichsweise zuversichtlich: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit haben wir die Möglichkeit uns darauf vorzubereiten.

Seit über einem Jahr gibt es ein neues Gesetz auf EU-Ebene, die CAC-Klausel. Damit können Bürger, Besitzer von Staatsanleihen, rückwirkend enteignet werden. Und EU-Recht steht über deutschem Recht.

Was kommt nach dem Crash?

Wie geht es nach der Vernichtung des Vermögens weiter: wir werden mit viel weniger auskommen müssen als momentan. Der Wohlstandsstatus, den wir momentan haben, der ist nicht haltbar und der wird nicht haltbar sein.

Die Autoren hoffen, dass die Menschen nach einem Crash wieder enger zusammenrücken, sich helfen, dass Zivilcourage als Wert höher steht als es heute der Fall ist. Es könnte allerdings sein, dass ein katastrophales Ereignis die Voraussetzung dafür ist, dass sich etwas ändert.

Stand vom 11.06.2014Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 11.06.2014 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.